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125. Geburtstag des Automobils
 
Kein Kaffee auf Tempelhof
 
Warum war, was nicht sein darf

1886 erfuhr die Mobilität der Menschen eine entscheidende Wendung. Carl Benz meldet seinen Motorwagen zum Patent an und Gottlieb Daimler ließ erstmals seine Motorkutsche fahren. Weitläufig wird dieses Jahr als Beginn der Automobilen Geschichte angesehen und so kommt es, dass sich dieses Ereignis 2011 zum 125sten mal wiederholt.
Zur 100 Jahr Feier gab es Münzen und Briefmarken für den interessierten Sammler, sowie etliche Publikationen und Filme rund um das Thema Automobil. 25 Jahre später durfte es ruhig etwas weniger sein, aber nur ein bisschen. Nicht mehr und nicht weniger, als das größte Treffen von Mercedes Fahrzeugen sollte es zum erwählten Termin, 26. bis 28. August 2011, auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof geben. Sogar das Guinness Buch der Rekorde war eingeladen. Da wollten wir vom Stammtisch Bremen natürlich nicht fehlen.

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Als wenn so ein Großereignis nicht schon genug wäre, ergab sich auch der glückliche Zufall, dass das 15-jährige Bestehen des W123-Club e.V. ebenfalls auf das Jahr 2011 fällt und sich somit der passende Rahmen für dieses, zumindest für die Clubmitglieder bedeutende Ereignis, fand. Um dem ganzen noch eine besondere Note zu geben, war eine Sternfahrt aus allen Regionen des Landes zum ausgewählten Veranstaltungsort des Club-Jubiläums, das südlich Berlins gelegene Städtchen Ludwigsfelde, geplant.
Nach gewissen Ungereimtheiten und einer ersten Karte mit eingezeichneten "Korridoren" aus den verschiedenen Regionen, in die man die Teilnehmer eingeordnet hatte, die Karte sah allerdings verdächtig nach einem Truppenverlegungsplan zur Eroberung Berlins aus, haben wir uns mit dem Stammtisch Lübeck/Hamburg zusammen getan, damit zumindest die Nordlichter ordnungsgemäß eintreffen würden.

Schnell wuchs die Teilnehmerzahl und zumindest die Anmeldungen für das Club-Jubiläum waren, wenn wunderte es, jenseits von Gut und Böse, so dass keine Anmeldungen mehr entgegen genommen werden konnten. Allerdings sollte sich das nicht auf unsere Sternfahrt niederschlagen. Zumindest nicht was die Region Bremen angeht. Fünf W123 vom Stammtisch Bremen machten sich am Morgen des 25. August nach einem kurzen Frühstück auf den Weg gen Berlin. Schon an der Auffahrt zur Autobahn stieß ein sechster Teilnehmer dazu, der um diese Uhrzeit eigentlich schon in Berlin weilen wollte. Mitgenommen haben wir ihn trotzdem, obwohl er später manchmal versuchte das zu verhindern. Auf der A1, 72 Kilometer Baustelle zwischen Bremen und Hamburg, konnten wir einen weiteren Teilnehmer von unserem Stammtisch begrüßen.

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Noch waren wir allerdings nicht vollzählig. Wir hatten das zweifelhafte Vergnügen noch auf einen 200D "warten" zu müssen, der sich Höhe Oldenburg befand, als wir starteten. Na ja, bis Berlin sind es ja noch ein paar Kilometer und den Weg wird er ja auch kennen.
Noch weit vor Hamburg, die Baustelle war noch lange nicht zu Ende, schoss von hinten ein chinablaues Ungetüm an uns vorbei. Sollte er uns nicht gesehen haben?. Doch. Er nutzte nur den Schwung des sich in voller Fahrt befindlichen 200D aus, um in unserem kleinen Konvoi nicht gleich wieder nach hinten durchgereicht zu werden. Wir waren komplett.

Nach einer kurzen Pause in Maschen, dort stieß ein weiterer Teilnehmer dazu, hatte einer der Teilnehmer schon wieder die Richtung vergessen und fuhr prompt wieder Richtung Bremen auf die Autobahn. Die Heimat ist zwar schön, aber man muss in die Ferne, um das Nahe genießen zu können. Nun, als Ausrede gab er an, dass sein Navi ihm die falsche Richtung angezeigt hätte, als er gerade in sein Brötchen bis und am Radio rumspielte. Wer's glaubt. Unsere Handzeichen und Lichthupe hatte er wohl übersehen.
Allerdings gab uns das die Möglichkeit noch eine weitere Pause einzulegen, bevor wir, allen Unkenrufen obgleich der wunderschönen dreißiger Zonen die wir ab Lüneburg befuhren zum Trotz, auf die Minute genau am Rastplatz Gudow Süd einrollten, wo wir mit dem Stammtisch Lübeck/Hamburg zusammen trafen, um gemeinsam weiter nach Berlin zu fahren.

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Nach kurzer Pause entschlossen wir uns die Fahrt fortzusetzen. Maßgeblich für die weitere Geschwindigkeit unseres Trosses war ein 180 D Ponton vom Stammtisch Lübeck/Hamburg. 100 km/h Höchstgeschwindigkeit, mehr war dem Ponton, laut seinem Fahrer, nicht zu entlocken. Na gut, darauf wollten wir uns einpendeln. Na einigen Sortierungsproblemen und eine Kolonne von ca. 30 Fahrzeugen rollte gemütlich über die Autobahn Richtung Berlin.
Nach längerer ereignisloser Fahrt wunderten wir uns, warum wir trotz erhöhtem Tempo die Ponton nicht einholen konnten und stellten schließlich fest, wir waren ganz gemütlich an unserem vereinbarten Pausenort vorbei gefahren. Wenn man erst einmal in einem W123 sitzt, möchte man so schnell nicht wieder aussteigen. Da die Insassen der drei verbliebenen Fahrzeuge alle im selben Hotel übernächtigten, informierten wir kurz die restliche Gruppe und setzten unsere Fahrt zum Hotel fort, wo uns schon alte Bekannte aus dem Raum Gießen erwarteten.

Nachdem wir die Zimmer in Beschlag genommen und uns etwas erfrischt hatten, das Wetter war während der Fahrt hervorragend und ohne Klimaanlage recht schweißtreibend, begaben wir uns sogleich in den Garten und erfrischten uns auch von innen, hatten wir doch noch etwas Zeit bis zum Clubabend in Ludwigsfelde-Löwenbruch. Die Getränke schmeckten und die ansässigen Mücken hatten auch schon reichlich gefallen an uns gefunden. Anmerkung am Rande: auf der Wiese, welche sich gegenüber von unserem Hotel, das Landhotel Theodore F in Ludwigsfelde-Gröben, befindet und die kaum größer als ein kleiner Bolzplatz ist, war damals trotzdem groß genug alle am Jahrestreffen 2000 teilnehmenden Fahrzeugen Platz zu bieten. Wie sehr sich der Club doch vergrößert hat.
Am Abend machten wir uns dann auf zum Veranstaltungsort des Club-Jubiläum-Abends. Aufgrund der Meldung auf der Club-Homepage, dass die maximale Teilnehmerzahl erreicht sei, erwartete wir natürlich dichtes Gedränge und ein zügig schwindendes Buffet. Dem war aber keines Falls so. Das Buffet war reichlich uns man wusste nicht, wo man anfangen und wieder aufhören sollte. Kompliment an die Organisatoren. Trotz sehr hohem Zulauf, war alles bestens organisiert. Begleitet von einem immer fort währenden „Brrrzzzz“ einer elektrischen Mückenfalle, saßen wir lange in angenehmer Runde beisammen und ließen den Donnerstag ruhig ausklingen, erwartete uns doch am Freitag der erste Tag auf Tempelhof.

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Es war mal wieder sehr früh am Freitagmorgen, als wir uns zum Frühstück trafen, um uns für den Tag zu stärken. Wir wollten schließlich nicht die letzten sein und hatten uns entsprechend früh mit anderen Teilnehmern vom Stammtisch Bremen in Ludwigsfelde-Löwenbruch verabredet, um gemeinsam zum Veranstaltungsort zu fahren. Das sollte natürlich nicht heißen, dass wir auch alle gemeinsam ankommen würden. Wir hatten nicht mit dem Berliner Verkehr gerechnet, der dem gemeinsamen Ankommen mit reichlich Ampeln und eher ihrem eigenen Stil folgenden Berliner Autofahrern im Weg stand.
Trotzdem fanden wir unseren Weg zur Einfahrt auf das Veranstaltungsgelände. Die fast einen Kilometer lange Zufahrt zum Akkreditierungsbereich und dem eigentlichen Eingang zur Ausstellungsfläche war zwar von reichlich Personal gesäumt, die einem den Weg wiesen, den großen Andrang sahen wir aber nicht. Eher gemütlich wurden wir erwartet, uns die benötigten Unterlagen und Armbändern für die nächsten Veranstaltungstage ausgehändigt und auf den Parkplatz eingewiesen.
Da waren wir.

Eine beeindruckende Kulisse empfing uns. War doch das Gebäude des Flughafens Tempelhof zumindest zwei Jahre lang flächenmäßig das größte Gebäude der Welt, bevor es vom Pentagon abgelöst wurde. Sein imposantes Erscheinungsbild hat es dadurch aber nicht verloren. Definitiv der richtige Ort für eine Veranstaltung solchen Ausmaßes. Für uns war dieser Freitag, an dem die Öffentlichkeit noch keinen Zugang zum Gelände hatte, ideal. Konnten wir doch alle Fahrzeuge ausführlich betrachten und mit den anwesenden Besitzern ein Schwätzchen halten. Quasi wie der Tag des Aufbaues einer Messe, wo man sich noch nicht um Besucher kümmern muss.

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So pendelten wir den ganzen Tag, bei strahlend blauem Himmel, von einer Ecke des Geländes zur anderen und betrachteten die schon eingetroffenen Fahrzeuge. Zwischendurch machten wir an den Getränke- und Essensständen halt. Die ausgeteilten Verzehrmarken sollten ja ihrem Zweck zugeführt werden. Als nach 18 Uhr die Preisschilder verschwanden, der Daimler zahlte für den Rest des abends Speis und Trank, machten wir es uns in den angebotenen Sitzgelegenheiten bequem und verweilten noch bis 22 Uhr auf Gelände. Später am Abend, wieder im Hotel angekommen, saßen wir noch lange beisammen und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
Am Samstag wurden dann die Tore für die Besucher geöffnet und so konnten wir auch heimatlichen Besuch empfangen, der den weiten weg nach Berlin auf sich genommen hat. Wir betätigten uns als Fremdenführer, stellten ihnen das reichlich vorhandene Rahmenprogramm vor und schlenderten durch die sich reichlich gefüllten Fahrzeugreihen. Nach diesem ausgiebigen Rundgang über das Gelände, saßen wir noch kurz beisammen und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Auf oben erwähntes Heißgetränk mussten wir allerdings verzichten.

Nachdem unser Besuch aus der Heimat sich wieder auf den Weg in die selbige gemachte hatte, begaben wir uns zu einer kurzen Liegeprobe in den Shanghai T-Wagen. Nach fast 17.000 Test- und Tourkilometern, sollte es für das T-Modell die vorerst letzte Fahrt sein und er hätte auf dem Vorfeld von Berlin-Tempelhof fast das wichtigste verloren: seinen Stern. Den fand ein kleiner Junge ziemlich interessant und wollte ihn, sehr zum Entsetzen seiner Eltern und uns, kurzer Hand vom Auto entfernen. Er hat es zum Glück nicht geschafft, so dass wir ein vollständiges Auto wieder mit zurückbringen konnten.

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Die ersten Besucher verließen das Gelände wieder und auch für uns war es an der Zeit, das Wetter verschlechterte sich zusehends, die weitere Planung für den Tag bzw. Abend zu besprechen. Wir beschlossen den Abend in einem Berlin Lokal zu beenden.
Bei inzwischen strömendem Regen verließen wir ab 18 Uhr das Gelände und fanden uns, dem Berliner Verkehr zum Trotz, im ausgewähltem Restaurant ein, wo wir den Abend ausklingen ließen.
Der Sonntag war ganz der Heimreise gewidmet. Und so verabschiedete sich einer nach dem anderen aus unserem Konvoi, bis schließlich am späten Nachmittag auch der letzte zu Hause war.

„Das Beste oder nichts“ ist der aktuelle Leitspruch von Mercedes-Benz und der Anspruch der Marke an sich selbst. Betrachtet man nun die vergangene Veranstaltung, hängt der Slogan etwas hinter der Realität zurück. Wörtlich genommen, ergibt sich sogar ein schaler Beigeschmack.
Ohne Zweifel war es ein bedeutendes Zusammentreffen unter dem Stern, viele kleine Geschichten am Rande trübten allerdings den Gesamteindruck.
So hatte der größte Mercedes-Benz Club bereits bei der Vorstellung des Konzeptes seine Teilnahme an dieser Veranstaltung abgesagt. Aber auch viele andere schienen ihre Teilnahme an dem Treffen abgesagt zu haben, wie die teilweise großen Lücken auf der Stellfläche bewiesen. Die LKW-Fraktion war, bis einige wenige Enthusiasten, größtenteils Abwesend. Die großen LKW mit dem Stern waren meistens nur in Form von Neuwagen zu Gegen.
Das Rahmenprogramm für die zahlreichen Besucher war als interessant zu betrachten, dennoch bliebt der Eindruck, auch auf Grund der hohen Anzahl von Neuwagen aus dem Hause Mercedes-Benz, dass es eine große Verkaufsveranstaltung war.
Der Club-Freitag, welches er eigentlich sein sollte, hat leider nicht wirklich stattgefunden. Bei kostenlosen Speisen und Getränken konnten man zwar bei bestem Wetter den Abend in einer beeindruckenden Kulisse verbringen, eine Begrüßung der Clubs oder ein paar Worte der Veranstalter an die Anwesenden Clubs habe ich allerdings vermisst.
Eine einmalige Veranstaltung war es trotzdem, nicht zuletzt wegen dem Jubiläum und dem herausragenden Veranstaltungsort, allerdings lässt sich sicherlich noch die eine oder andere Innovation im Konzept und der Umsetzung unterbringen. Der Weg ist das Ziel und kleine Schritte führen einen manchmal sicherer zum Erfolg.

Jörg Hillmann
28.08.2011