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Messetage sind ja immer etwas ganz Besonderes: Streß, Hektik, praktisch nichts zu Essen,
reichlich Kippen, viel Kaffee und noch mehr Fragen.
Ich wusste eigentlich was auf mich zukommt, einige Technorama´s
hatte der Stammtisch Hannover als Aussteller für den Club
ja schon hinter sich. Irgendwann letztes Jahr rief mich Kai-Uwe
Bitsch vom Stammtisch Bremen wegen meines 230 CE an:
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Alles wie immer! |

Die Konkurrenz |
„Willst du nicht vielleicht dein Auto in Bremen ausstellen, 30 Jahre C123, zwei Qp´s,
einer Silbergrün erste Serie, deiner Saharagelb zweite Serie? Super Kontrast! Was
meinst du, wäre doch was?“
Wenn ich nur manchmal ein klein wenig cleverer wäre....
Zwei Tage Urlaub, reichlich Kilometer Fahrt, in Bremen bleiben oder pendeln, andere
(Club)Sorgen vielleicht irgendwo in Sicht?
Meine Antwort hätte also logischerweise „Nein“ lauten müssen, aber hört einfach selbst:
„Na klar, das wird bestimmt lustig“
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So ist das nun mal, wenn sich der Verstand vom Herzen trennt, was will man da machen?
Gut, Vorbereitung ist ja angeblich alles, aber auch völlig überbewertet:
Das betreffende Fahrzeug hatte ich nach unserem Jahrestreffen Hannover in die Garage
gestellt, über ein halbes Jahr nicht bewegt, nicht gewaschen, Batterie nicht abgeklemmt also
mal wieder leer, vom Bremssattel hinten rechts und anderen großen Kleinigkeiten soll hier
mal keine Rede sein.
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HILFE! |

Ist ja mal wieder typisch |
Alles kein Problem, erster Tag, volltanken, billige Wäsche: neun Uhr Abfahrt, herrlich, der
Wagen läuft aber auch so was von sauber, alles frei und zum Glück habe ich eine wirklich
idiotensichere Anfahrtsbeschreibung von Kai-Uwe.
Idiotensicher? Nicht mal im Ansatz:
„Auf keinen Fall auf die Brücke, sondern rechts vorbei fahren !!“
Als ich die Zettel wieder aus der Hand legte, durfte ich die schöne Aussicht über einen mir
unbekannten Bremer Vorort von, ihr ahnt es sicher, einer Brücke genießen.
Na toll, das läuft ja super, allein in einer fremden Stadt und absolut keine Ahnung, wo es lang
geht.
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Aber auf jeden Fall weiß ich jetzt, wer das magische Kennzeichen HB-07123 trägt:
Ein zwischen Milieu und Unverstand angesiedelter Ford Capri der dritten Serie, nett gegrüßt
haben die Jungs ja wirklich, aber diese arme Karre, echt schade...
Weiter orientierungslos durch das bestimmt schöne Bremen, das Messegelände liegt ja in
der Innenstadt direkt gegenüber dem Bahnhof, irgendwann bin ich dann da und steige
ziemlich genervt aus.
Ich gehe in die große Halle, ich suche und finde unseren Messestand und:
Kein Mensch da !!
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Mini-Messestand |

Die Wichtigsten |
Ich fingere also das furchtbar kleine Funktelefon meiner Freundin aus der Tasche und
versuche eine bestimmte Nummer aus zahlreichen, bunten und sicher nicht
selbsterklärenden Untermenüs zu wählen:
Es klingelt !! (Achtung: Erfolgserlebnis)
„Ja, hallo, Mark? Was? Christian? Ja, Thomas. Wo? In der Halle. Und Ihr?“
Sie waren keine zehn Meter um die Ecke bei den 107er-Leuten...
Nach der herzlichen Begrüßung durch die Mitglieder des Stammtisches Bremen wurde
leidenschaftlich über die Position der Fahrzeuge auf der reichlich knapp bemessenen
Standfläche diskutiert.
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Aufgrund des bereits verlegten Teppichbodens mußten die Fahrzeuge ohne große
Lenkarbeit auf die Standfläche bugsiert werden, da es sonst häßliche Profilabdrücke auf dem
Belag gegeben hätte. (Wieder was dazugelernt)
Der arme Kai-Uwe also im Auto zum Rangieren, sechs Leute darum herum zum Aufpassen
und Einweisen. Wäre ja kein Hindernis, aber zu unseren sich widersprechenden
Anweisungen gesellte sich ein Katalogverkäufer (Typ: extra schmierig), der uns wiederholt
und ungefragt mit seiner Meinung beglücken wollte.
„Ich würde die Autos ja anders hinstellen, so ist...“
„Wir kriegen das hier schon hin, wir wissen auch meistens, was wir hier machen, aber
trotzdem vielen Dank!“
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Gegensätze |

Endlich! |
Den üblichen Hinweis „Schnauze“ hab ich mir verkniffen, aber ich bin sicher, dass er heute
noch nicht weiß, wie knapp sein Katalogangebot dem Feuertod entronnen ist.
Irgendwann standen dann die Fahrzeuge in der gewünschten Position und es sah wirklich so
schön wie erwartet aus. Eigentlich besser, viel besser! (Achtung: Erfolgserlebnis)
Es standen dann noch reichlich Kleinigkeiten an, irgendwas von links nach rechts und zurück
rücken, schnell den weißen Golf 1 GTI anschauen und mit dem Zug zurück nach Hannover.
Ich mag es ja eigentlich mit der Bahn zu fahren, zeitgemäß auch ohne Raucherabteil, aber
ich hasse diese Pendlerzüge: Nur muffige, schlecht gelaunte Gesichter, die sich stumm in
den regennassen Scheiben spiegeln...
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Hannover Hbf, 8:40 Uhr, Gleis 13: Diesmal kein Pendlerzug, sondern wunderschöne
Ausblicke über die nebelige Norddeutsche Tiefebene. Geht doch!
Der erste Höhepunkt kam sogar noch vor den Messehallen: Ein neuer, aber wirklich total
verdreckter Maybach 57 S mit unzähligen Autobahnkilometern auf dem Lack und den
Seitenscheiben. Leider hatte ich keine Kamera dabei, aber ein paar Minuten habe ich (und
andere auch) fasziniert einen wunderschön schmutzigen Neuwagen für über 450.000,- €
bewundert.
Rein in die Halle, es herrscht schon ordentlich Betrieb, weitere Mitglieder des Stammtisches
Bremen haben sich am Messestand eingefunden und es ist erst mal gegenseitiges
Kennenlernen angesagt.
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Stolzer Besitzer I |

Stolzer Besitzer II |
Der nächste „Höhepunkt“ läßt nicht lange auf sich warten:
Ein petrolfarbener 230 CE mit 180 TKM im Angebot einer namhaften Prüforganisation mit
fünf Buchstaben, der sofort einer detaillierten und fachlich fundierten Gesamteinschätzung
unterzogen wurde:
„Völliger Blender, total fertig, Schau ma hier, ach du Schande...“
Der Verkaufslack war noch das Beste, aber die total zu Grunde geschweißten
Wagenheberaufnahmen, der literweise aufgetragene Unterbodenschutz, die, warum auch
immer, nur teilweise demontierte Anhängerkupplung, die höchstens mäßigen Stoßstangen
und noch vieles mehr wurden nur noch vom aufgerufenen Preis übertroffen:
„6.900,- € ? Wohl wahnsinnig geworden?“
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Da man im Schlechten ja immer das Gute suchen soll, möchte ich mich aber ganz herzlich
bei eben dieser Prüforganisation bedanken. Warum?
Diese Prüforganisation hat uns mit diesem Wagen unfreiwillig und kostenfrei ein intensiv
genutztes Anschauungsobjekt mit dem Titel „So darf er nicht aussehen“ zur Verfügung
gestellt, an dieser Stelle nochmals vielen Dank!
Überhaupt haben sich hin und wieder Preisvorstellungen zwischen Fiebertraum und Utopie
breitgemacht, ein Beispiel:
Ein adretter Mittfünfziger, der für den Wagen seines Vaters eine Preiseinschätzung
verlangte:
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Impressionen |

Das beste zum Schluss |
230 CE, zypressengrün, MB-Tex olive (nett), Automatic, sonst rein gar nichts. Mäßiger
Allgemeinzustand, aufgerissene Heckschürze durch abgerissenen Heckschalldämpfer. Als
ich vorsichtig eine Zwei ins Rennen warf, wurde ich empört mit seiner Einschätzung
konfrontiert: Eine sechs mit drei Nullen hinten dran, mindestens... Naja, ich wünsche viel
Erfolg!
Auffallend waren aber auch die zahlreichen, durchweg detaillierten Fragen von jungen
Einsteigern (werde ich etwa auch älter?), die eine Kaufberatung und eine Anschubmotivation
zum Kauf eines W123 suchten. Sie haben sie bekommen, versprochen. Das hat wirklich
Spass gemacht, für diese Menschen machen wir uns die Mühe und wer weiss:
Vielleicht sieht man sich auf einem der nächsten Jahrestreffen wieder?
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So waren meine Bremer Messetage (ich könnte noch viel mehr erzählen, aber...).
Nach der Demontage des Messestandes ging es bei strahlendem Mondlicht nach Hause. Es
war sicher anstrengend, aber auch in der Nachlese eigentlich nur:
Schön, Schön, Schön
Thomas Wolter
Stammtisch Hannover
123.053@freenet.de
P.S.: Wer noch mal die Geschichte mit der Hundekacke oder dem völlig betrunkenen
Kunden im Supermarkt hören möchte: Potsdam 2007, silbernes T-Modell mit
unübersehbaren Aufklebern, jederzeit!
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