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Von Bremen nach Shanghai - Tagebuch
 
20.08.2010
 

Nach einer unspektakulären Fahrt sind wir gestern in Legnica angekommen. Das Hotel etc. sind noch nach meinem Geschmack. 750g Wodka sind auch schon geflossen. Etwas sorgen mach uns aber die Hinweise von den anderen, das manchmal auf der Autobahn weißer Rauch aus dem Auspuff kam. Ich benötige daher von euch eine Ferndiagnose. Heute fahren wir nach Krakau, wo sich zum letzten mal eine gescheite MB-Niederlassung befindet. Ansonsten haben wir viel Spaß zusammen.

 
21.08.2010
 

Heute um 15:36Uhr und ca. 1350km von Bremen entfernt haben wir die Grenze zur Ukraine passiert. Der Grenzübertritt ging sehr schnell, da die Spur für EU- Bürger seltsamerweise leer war. Nach dem Abstempeln der Reisepässe ging es weiter nach L’viv. Die ersten 89km in der Ukraine wurden dank des hervorragenden Fahrwerks des W123 komfortabel überstanden. Es sollte aber nur ein Vorgeschmack auf die noch kommenden Straßenverhältnisse sein, die uns noch bevorstehen. Die schon angesprochenen weißen Wolken aus unserem Auspuff entpuppen sich als graue Dieselwolken, also kein Grund zu Panik. Insgesamt haben wir sehr viel Spaß zusammen bei der Fahrt und nach der Fahrt, also eine super Gruppe. Am Montag geht es weiter nach Kiew (531km).

 
26.08.2010
 

Endlose Weiten, Kilometerlange gerade Straßen, „Modern Talking“ auf Russisch, Buckelpisten wie in den Alpen und Polizisten unter den schattigen Alleen, diese Eindrücke begleiteten uns die letzten 1767km durch die ehemalige Kornkammer Russlands. Überall nette Ukrainer, ein bisschen Deutsche Sprache hier und da und natürlich die Gedanken an die Vergangenheit, wo Ströme von deutschen Soldaten gen Osten zogen, unvorstellbar was das für ein Wahnsinn war.
Für unseren 300TD ein leichtes Spiel obwohl das Fahrwerk so einiges wegstecken musste. Ein paar Daten am Rande, Gesamtkilometer 2818km,die Tagesetappen liegen zwischen 6 und 10 Stunden, Diesel- und Durchschnittsverbrauch 245,35L / 8,05L , von den 1000 Feuerzeugen und 1000 Zigarillos sind ca. je 200 Stück schon an die „NICHT“ korrupten Polizisten verteilt worden (NOCHMALS DANKE AN MARK, war eine super Idee). Ich wurde bist jetzt nur einmal angehalten, aber nicht wegen Geschwindigkeitsüberschreitung sondern wegen den „Souvenirs“. In der Ukraine sind wir jetzt wohl bekannt als fahrende Zigarillo Händler, dem Polizeifunk sei Dank. Morgen geht es dann zur 120km entfernenden russischen Grenze. Ob wir den Grenzübertritt auch mit „Souvenirs“ beschleunigen können, muss man mal austesten. Ansonsten fällt der Hotelstandart mit zunehmenden Kilometerstand !!. In ein paar Tagen haben wir auch unsere erste Zeltübernachtung. Alles weitere demnächst aus Russland.

 
30.08.2010
 
Heute bleibt nur zeit für bilder, der wodka darf nicht warm werden. Morgen geht‘s über die grenze nach Kasachstan.
 
08.09.2010
 

Die Tage vergehen viel zu schnell, nach Russland und Kasachstan sind wir jetzt schon den dritten Tag in Usbekistan. Es sind in den letzten Tage enorme Strapazen gewesen. Vor der usbekischen Grenze 60km Schotterpiste mit Tempo 70km/h um einigermaßen Ruckel frei durchzukommen erwies sich als zu gewagt, Fazit siehe Bilder. Wartezeit und Abfertigung hielt sich in Grenzen (4 Std.). Die Kasachischen Grenzbeamten ließen uns ohne Probleme passieren (5 T-Shirts, 10 Feuerzeuge, 10 Zigarillos). Mit den Usbeken das gleiche Spiel (20 Feuerzeuge, 20 Zigarillos). Auch die Fahrzeugkontrolle fiel dadurch weg. Danach Übernachtung in einem Teehaus. Schlafen auf den Boden zwischen fremden Menschen und Frühstück mit den Kamelen. Danach hunderte von Kilometer OHNE eine Kurve bei Temperaturen jenseits von 40 Grad durch Landschaften aus Karl-May Filmen, Straßen die dem 300TD alles abverlangen und ein perfekt funktionierender Unterfahrschutz.
Die Ruhetage in Bukhara tun sehr gut, ausschlafen, Wagenüberprüfung und Tanken. Das Tanken erweist sich als schwierig da Benzin und Diesel auf 20 Liter pro Fahrzeug rationiert sind. Also Beziehungen spielen lassen und in kleinen Dörfern außerhalb der Stadt tanken, dabei wurden wir von einem "Hind Mi-24" Helikopter dreimal überflogen (wir sind keine Partisanen!).
Morgen geht es weiter nach Samarkand und dann sind es nur noch ca. 1500km bis zur chinesischen Grenze.
Aktueller Kilometerstand seit Start: 5728KM.

 
04.10.2010
 

Wir sind nun schon 48 tage oder 12251km unterwegs immer mit den Ziel Shanghai vor Augen. Die Eindrücke dieser wunderbaren Reise, die sich auf jedem Streckenabschnitt ändern, lassen jeden Tag zu einem neuen Erlebnis werden.
Nach dem Grenzübertritt nach China fühlte ich mich auch wieder ein bisschen heimisch. Die Sprache und das essen und natürlich das fahren mit unserem Wagen ist ein Höhepunkt bei dieser Reise. Doch der Anfang war schwer, fast einen ganzen Tag brauchten wir für alle Formalitäten, sowie eine technische Abnahme durch den chinesischen TÜV. Bremsen, Licht und die Hupe wurden auf Funktion getestet. Meine chinesische VIP-Hupe wurde zum Test abgeklemmt. Diese erwies sich bis jetzt als sehr wirkungsvoll und wurde auch von den anderen Teilnehmer als unverzichtbar erklärt. In den Städten wird soweit es geht im Konvoi mit eingeschalteter Warnblinkanlage gefahren und natürlich wird gehupt, wann immer es sein muss.
Da die Straßenverhältnisse in China einen deutlichen Vorsprung zu den vorherigen Ländern haben, sind doch teilweise Straßen von uns befahren worden, die unsere Reise fast scheitern ließen. Nur durch den hervorragenden Einsatz von kleinem Räumgerät konnten diese aber bewältigt werden. Bis zum heutigen Stopp in Luoyang erlebten wir faszinierende Eindrücke von China die wir bis dato nicht kannten.
Wir durchquerten die nordwestliche Xinjiang Provinz mit der Größe von Westeuropa, eine Wüstenrallye mit unseren Fahrzeugen am Rande der Taklamakan-Wüste, Zeltübernachtung in der Oasenstadt Dunhuang (dem Knotenpunkt der Seidenstraße), das Westende der großen Mauer in Jiayuguan, Durchfahrt durch die Stadt Jiuguan (dem Kosmodrom Chinas) und fahren auf 4-spurigen Autobahnen in über 2600m Höhe.
Unser Wagen läuft immer noch prima, obwohl die Kupplung und das Fahrwerk merklich nachgelassen haben. Also jetzt ist der Endspurt angesagt und wir erwarten eine schöne Einfahrt in Shanghai.

 
08.10.2010
 

Ni hao,
heute sind wir in Wuxi, dem letzten Stopp vor Shanghai angekommen. Alles war mal wieder super organisiert. Polizei, Essen, Hotel, Besichtigungen etc. Auf der Fahrt nach Wuxi konnte man es noch mal so richtig auf der Autobahn krachen lassen, da wir uns immer der chinesischen Fahrweise anpassen. In Wuxi selber war wieder die kontrollierte Verfolgungsjagd nach dem chinesischem Polizeiführungsfahrzeug angesagt. Mit Tempo 70km/h über abgesperrte Kreuzungen und um scharfe Kurven kommt man einem Formel-1 Stadtkurs sehr nahe, natürlich nur mit der Kraft unserer 5 zylinder im 3. Gang. Wir alle sind jetzt schon sehr aufgeregt, wie wir in Shanghai erwartet werden. Eine Steigerung ist nach den letzten Empfängen in Pingdingshan und Wuxi ist kaum noch möglich, aber wir werden es ja sehen.
Einige Fragen immer wieder nach dem Befinden unseres 300TD, er läuft und läuft und läuft, ingesamt bis heute 13607km und konsumierte 1030,9l Diesel, gewaschen wurde er nie und sieht dem endsprechend auch so aus.