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Manche Dinge im Leben beginnen völlig harmlos.
Eine Nachricht per Mail eines Stammtischkollegen, kurz und knapp gehalten, verschickt an fünf Empfänger.
„Suche Fahrzeug bis Baujahr 1989, Bedingungen sind Kombi und Diesel.“
Irritationen bei einigen der Empfänger. „Was willst Du denn damit, sind ein 250 TD (BJ 1992), ein 280 CE (BJ 1984)
und eine C-Klasse nicht genug?“
„Ich fahre nach Shanghai, zu zweit, mit entsprechendem Gepäck für ca. 60 Tage Fahrzeit. Die Baujahrbegrenzung 1989
ist Teilnahmevoraussetzung.“ Aha!
Nach einigen Tagen kam mir der Gedanke, meinen 300 TD (BJ 1984), dem positiv verrückten Herrn nach bewährter
Methode zur Verfügung zu stellen.
Zunächst Ruhe am anderen Ende der Leitung. „Wirklich? Meinst Du das ernst?“
„Natürlich, ist ja auch eine ernste Sache“
„Spreche ich mal ab, melde mich wieder.“
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Einige Zeit später: „Jetzt, wo es ernst wird, haben wir noch mal genau nachgedacht, wir machen das
erstmal nicht, vielleicht im nächsten Jahr.“ Auch gut, das Angebot gilt auch noch für 2011.
In der Alltagshektik hatte ich die Sache längst verdrängt. Doch nach drei bis vier Wochen der Anruf: „Wir machen das
jetzt doch, gilt das Angebot noch?“ Welch überflüssige Frage.
Als nächstes stand die Besichtigung des Diesel an. Eingekeilt zwischen weiteren Artgenossen mit Stern, hieß es erstmal
Zugang verschaffen und Batterie rein, nichts tut sich, Batterieladezustand mangelhaft. Überbrücken, Schlüssel drehen,
Diesel läuft sofort, alles wie immer. Der Blick ins Fahrtenbuch aufgrund der Zulassung mit rotem 07-Kennzeichen verrät,
zwei Jahre und neun Monate Stillstand (Treffen Potsdam).
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Diverse Fahrzeuge müssen beiseite geschoben werden, dann endlich Scheunentor schließen und Probe
fahren. So ein Schaltwagen hat schon seine Tücken, gerade für Fahrer, die langjährig den Komfort einer Automatic
genießen. Trotzdem macht sich bald die einhellige Meinung breit, das richtige Fahrzeug für die etwa 15.000 Kilometer
gefunden zu haben.
Die nächsten Schritte werden geplant und abgestimmt. Für die jetzt nötige normale Zulassung musste die Hürde
Hauptuntersuchung inkl. AU genommen werden. Seit acht Jahren hatte der 300 TD dort keinen Termin mehr, also große
technische Durchsicht durch versiertes Fachpersonal und entsprechende Arbeiten wie Bremse und andere Kleinigkeiten
gemacht.
Mit frischer Plakette ab zur Zulassungsstelle in Bremen, über 800 € Jahressteuer akzeptieren und Kennzeichen montieren.
Jetzt konnte die Testphase für die ab Mitte August 2010 anstehende Aufgabe beginnen, denn es stehen unter anderem
Passüberquerungen von über 3.500 Höhenmetern bevor.
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Als ideales Testgelände suchte ich mir die Großglockner Hochalpenstraße aus, diese Strecke wollte ich schon lange mal
erleben.
Die erste Etappe führte mich aus der Nähe Bremens nach Bayern, einen Freund im Bereich mittig Augsburg/München
besuchen. Mehr als 500 Kilometer nur die A 7 fahren ist schon lästig. Aber der ach so lahme alte Diesel schlägt sich
in den berüchtigten Kasseler Bergen mehr als tapfer, viele deutlich jüngere Fahrzeuge haben an langen Steigungen
deutlich weniger Konstanz. Hubraum ist eben durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr….
Ein herrliches Gefühl, diese irritierten Seitenblicke anderer Verkehrsteilnehmer, hilflos dem deutlichen Abgasrauch
hinterher blickend. Natürlich weist der ohne Code 260 ausgelieferte S 123 auf die Kraftstoffart hin, die hier für
Vortrieb sorgt.
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Zwischen zwei Übernachtungen bietet sich die Gelegenheit, den Abstecher zu unseren österreichischen
Nachbarn anzugehen. In der Alpenrepublik habe ich bewusst auf Autobahnen verzichtet und kurz vor dem Anstieg zum
Großglockner erstmal die Windschutzscheibe mit ordentlich Fensterreiniger gewienert (unter ratlosem Kopfschütteln
eines Campers), damit die Bilder während der Fahrt keine hässlichen Punkte bekommen.
Die Passstraße war erst vor ca. zwei Wochen nach der Wintersperre geöffnet worden, es lag noch einiges an Schnee an
den Seiten, oft floss auch Schmelzwasser über den Straßenbelag. Ein Höhepunkt der Strecke ist der Abstecher zur
Edelweißspitze, Kopfsteinpflaster feucht, enge Kehren und sehr schmale Straße zwischen Berg und uralter Leitplanke.
Für mich als Benutzer fast ausschließlich der Straßen Niedersachsens und Bremens schon gewöhnungsbedürftig.
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Weiter Richtung Süden geht’s dann wieder kräftig bergab, da macht das Kurvenräubern an manchmal
übersichtlichen Stellen einen Heidenspaß.
Für den Rückweg nach Bayern bin ich dieselbe Strecke gefahren, das Tagesticket zu 28 € wollte ich schließlich ausnutzen,
außerdem ist die Passstraße die kürzeste und auch schnellste Verbindung.
Wie abgesprochen stehen dabei vier Motorräder mit Bremer Zulassung vor dem Benz an der Mautstelle, freundliche
Handzeichen tauschen wir noch aus, danach habe ich nur noch kurzen Blickkontakt, dann ist die Gruppe sprichwörtlich
über alle Berge.
Am frühen Abend komme ich zufrieden im Landkreis Dachau an, ohne während der letzten zwei Tage auch nur einen W 123
erblickt zu haben, ausgenommen den 200 D des besuchten Freundes.
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Der Morgen am Freitag bedeutet dann Abschied und Aufbruch, der nächste Halt ist der Hauptbahnhof
von Nürnberg, einen Bremer Stammtischmitstreiter aufsammeln, um zielstrebig nach Hof in die Mercedes-Niederlassung
zu gelangen, es ist mal wieder Jahrestreffen. Endlich erblicken wir auf der Strecke auch wieder verschiedene W 123,
ausnahmslos mit dem gleichen Ziel, wie sich später herausstellt.
Über das sehr gelungene Jahrestreffen möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben, das ist eine Geschichte für sich wert.
Die Rückfahrt aus Schöneck nach Bremen und Niedersachsen verläuft erwartungsgemäß ohne besondere Auffälligkeiten, die
Kontrollleuchte der Kraftstoffreserve funktioniert auch, was wollen wir mehr. Nach fast exakt 3.000 Kilometern übergebe
ich den 300 TD an eingangs erwähnten Herrn, die ersten Tests für die nun folgende ungewöhnliche Aufgabe sind
abgeschlossen. Für mich war es eine schöne rundum gelungene Woche, mal wieder ausschließlich W 123 Diesel zu fahren.
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Mir bleibt an dieser Stelle nur noch, den beiden Shanghai-Fahrern eine gute Reise zu wünschen und
auf einen spannenden Reisebericht zu hoffen. Die zweite Hoffnung gilt der schadenfreien Rückkehr der Besatzung Mitte
Oktober sowie des 300 TD per Schiff so kurz vor Weihnachten 2010.
Toi, toi, toi!
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