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Wer kennt sie nicht, die Beamten-Ausstattung im W123.
Ein solides und robustes Auto ohne jeden Schnick & Schnack. Keine Servolenkung, keine Klimaanlage, kein Schiebedach
und auch keinen rechten Außenspiegel. Selbst die 200 auf dem Heckdeckel gab es ab Werk nicht. Hier wird
Unterstatement also ganz groß geschrieben.
Das man es als Besitzer eines solchen Fahrzeuges nicht ganz leicht hat, habe ich beim Jahrestreffen in Sneek
erleben dürfen.
Der Wagen war gewaschen, poliert und alle Flüssigkeiten überprüft. Der Chrom glänzte und die Farbkombination
Mittelrot / Pergament leuchtete in der Sonne. Was für eine Augenweide! Einfach schön.
Am Morgen des 3. Juni, auf dem Weg nach Sneek, schnell noch einen Club-Kollegen abgeholt. Die Außentemperatur
war schon auf dem Weg in Richtung 30° und besagter Kollege beanstandete, noch bevor er das Auto bestiegen hatte,
den fehlenden Außenspiegel für die Aussicht nach hinten und die fehlende Klimatisierung durch eine entsprechende
Anlage oder durch ein Schiebedach.
Locker bleiben heißt es als Besitzer eines solchen Modells.
Also gleich dem Herrn den Wind aus den Segeln nehmen und alles andere aufzählen, was noch so fehlen könnte.
Die Fahrt nach Sneek verlief ohne weitere Probleme. Kaum im Hotel angekommen, wurden die Teilnehmer-Unterlagen in
Empfang genommen und das Gepäck auf die Zimmer verteilt. Der Bus zur Stadtrundfahrt (-gang) stand schon bereit.
Im „Fries Scheepvaart Museum“ wurde einem die Geschichte der friesischen Schifffahrt, Schiffsbau und das Leben vom
17. bis 20. Jahrhundert gezeigt. Nach einer kleinen Stärkung ging es zu Fuß durch die Altstadt von Sneek. Neben
den vielen Grachten und Brücken gab es viel von der Historie der Stadt zu sehen. Etwas Zeit blieb dann noch für
einen kleinen Lunch, bevor die Bootsfahrt auf dem Sneeker Meer begann. Kaum an Bord, legte der Kutter auch
gleich ab.
Wie das Boot, waren auch die Wasserwege gut besucht. Bei netten Benzin-Gesprächen verflog die Zeit ohne Stress.
Nachdem wir wieder das Hotel erreicht hatten, erfrischten wir uns mit einer Dusche, um danach am Empfang auf der
Terrasse teilzunehmen.
Der Internationale Stammtisch verlief ohne große nennenswerte Probleme. Das Essen war sehr lecker und durch das
Erlebte verliefen die Gespräche bis in die Nacht.
Da ein anderes Clubmitglied es versäumt hatte, sich zeitig um ein eigenes Zimmer / Bett zu bemühen, gewährte
ich ihm in meinem Doppelzimmer Unterschlupf.
Dies war keine gute Idee. Der Kollege schnarcht! Also Wegfall Nachtruhe.
Leicht gerädert nahm ich dann am nächsten Morgen mein Frühstück in aller Ruhe auf der Terrasse ein. Nach dem
Frühstück sammelten sich die Teilnehmer für die Ausfahrt auf dem großen Hotelparkplatz. Hier waren alle Fahrzeuge
nach Farben sortiert; quasi eine Farbtabelle mit echten Fahrzeugen.
Noch schnell die Vorgaben aus den Startunterlagen und ein Lichttest erfüllt, ging es dann auch schon an den
Start. Nach bestehen der Abfahrtskontrolle und Ausgabe der Lunchpakete, dem Fragenkatalog und dem Roadbook,
wurden auch gleich zwei Punkte übergeben.
Dann noch ein „Bitte recht freundlich“ für den Fotografen und ab ging die wilde Fahrt. Zumindest für ca. 2
Kilometer. Auf dem nächsten Parkplatz eines Baumarktes wurde zuerst das Roadbook studiert, damit es später
nicht zu peinlichen Zwischenfällen, wie etwa falsches Abbiegen oder Nichtbeachtung wichtiger Objekte am
Streckenrand, kommen konnte.
Aber Moment mal: Baumarkt? Hier gibt es bestimmt Ohrenstöpsel für die Nachtruhe.
Also gleich umgesetzt und dem Bettnachbarn die Rechnung, im DIN A 4 Format über 27ct präsentiert. Ohne mit der
Wimper zu zucken wurde auch gleich passend in bar bezahlt. Ehrensache!
Nur noch kurz „sammeln“ und dann ging es gleich weiter auf der vorgegebenen Route zur ersten Aufgabe. Kaum auf der
Autobahn, machte das Lenkrad komische Zitterbewegungen. Hatte mein Auto etwa Parkinson? Auf dem Rastplatz angekommen,
an dem die erste Wertungsprüfung stattfinden sollte, machte sich beißender Geruch in der Fahrerkabine breit.
Als erstes: „Ruhe bewahren“ und das Auto parken. Dann wurde das Gefährt aus allen Blickwinkeln in Augenschein
genommen. Als alle Radkappen ohne große Temperaturunterschiede zu seien schien, wurde von der roten auf die gelbe
Alarmstufe runter gestellt. Nachdem die Aufgabe mit den Werksfotos in Augenschein genommen war, stellte sich beim
Wagen vorne rechts ein extremer Temperaturanstieg fest. Sch... (Wegfall Schimpfwort). Bremse fest.
Also Wagenheber und Werkzeug auspacken und versuchen die Bremsbacke wieder gangbar zu machen. Auch die Unterstützung
durch weitere Mitglieder war ohne Erfolg. Bleibt nur noch, den Service von Mercedes-Benz zu aktivieren. Also flugs
die Nummer aus dem Handschuhfach gewählt, die Fahrzeug- sowie Persönlichen-Daten, die Art der Panne und den Standort
durchgegeben.
Sichtlich erleichtert durch die Zusage, für schnelle Hilfe zu sorgen, warteten wir auf den „Service“. Eineinhalb
Stunden später traf dann auch ein sogenannter „Pechservice“ ein. Noch einmal die Pannenart geschildert und schon
machte der Monteur sich ans Werk, den Wagen vorne rechts mit einem mitgebrachten, allerdings viel zu klein
dimensioniertem Wagenhaber anzuheben, um die Gängigkeit des Rades zu prüfen.
Mit einem kräftigen Schwung am Reifen, machte das Rad gerade zwei Umdrehungen und stand Sekunden später wieder, wie
angeschweißt, still. „Dreht doch“, war gleich darauf vom Helferlein zu hören. „Na dann dreh doch mal zum Vergleich
auf der anderen Seite“ bestanden wir. Gesagt getan. Das linke Rad drehte sich, dass es nur eine Freude war zuzusehen.
Und es würde sich auch immer noch drehen, wenn der „Pechservcice“ es nicht mit der Aussage „Was sich dreht, darf
ich nicht abschleppen“, abrupt zum stehen gebracht hätte.
Da es schon nach 12:00 Uhr war und wir eh nicht in eine Mercedes Werkstatt mit entsprechendem Lager gekommen wären,
trennten wir uns vom Pechservice und brachen die Ausfahrt ab.
Also Pech gehabt und Wegfall Ausfahrt.
Jetzt hieß es, zurück zum nahegelegenem Hotel zu fahren, ohne das Bremspedal zu nutzen, da sonst wieder die
Bremse fest sitzen würde. Also immer schön langsam, vorausschauend und mit viel Abstand fahren.
Dort angekommen, erst einmal das Auto in seine Parkbucht platziert, dann das Nervenkostüm gewechselt und zum
Schluss einen kleinen Mittagssnack auf der Hotelterrasse eingeworfen.
Obwohl wir die Ausfahrt nicht beendet hatten, wollten wir trotzdem die Fragen zur Ausfahrt beantworten, da der
Fragebogen abgegeben werden sollte.
Langsam kamen die anderen Teilnehmer von der Ausfahrt zurück und boten diverse Ersatzteile zum Verkauf an.
Leider kein Bremssattel vorne rechts. Wegfall Ersatzteil.
Wir hatten zwar noch eine Lösung im Sinn, denn während des Festabends würden ja alle sehr beschäftigt sein
und sich für uns die Gelegenheit bieten..... Aber lassen wir das.
Da es so schnell keine Lösung gab und der Festabend bevorstand, wurde die Problemlösung auf den Sonntagmorgen
verschoben.
Das Essen beim Festabend war wieder sehr gut und auch das logistische Problem vom Vorabend war behoben.
Fedor moderierte die Siegerehrung souverän und humorvoll in alter Rudi Carrell Manier. Leider haben wir keinen
Preis gewonnen. Fanden aber zumindest Erwähnung, denn nur ein Teilnehmer war mit seinem Fahrzeug liegen
geblieben: wir. Auch an diesem Abend gab es wieder viel, bis in die Nacht hinein, zu berichten. Die Nacht, war
dank den Ohrenstöpsel, sehr entspannt. Wegfall Schnarchen!
Beim Frühstück am nächsten Tag, wurden alle Optionen bezüglich des Problems besprochen:
- ADAC anrufen und eventuell den gleichen Pechhelfer treffen.
- Mit den anderen Clubkollegen Richtung Heimat und das Auto am nächsten Wochenende per Trailer holen.
-oder den Versuch starten, den Weg in die Heimat ohne die Nutzung des Bremspedals auf sich zu nehmen.
Als „wagen“mutige Helden der Straße, entschieden wir uns für den letzten Punkt.
Die Heimreise ging nur über flaches Land mit einem Kreisverkehr in Joure, einer Ampel in Groningen und einer
Hubbrücke in der nähe der Deutsch-Holländischen Grenze. Ansonsten war die Fahrt barrierefrei. Die Bremse
funktionierte ja, müsste aber nach jeder Betätigung des Bremspedals, wieder gelöst werden. Also wurde mit
viel Abstand, vorausschauender Fahrweise, der Motorbremse und der Feststellbremse langsam in Richtung Heimat
aufgebrochen. Eine gute Übung war dann der Stau vor dem Kreisverkehr in Joure.
Die Ampel in Groningen und eine Tankpause, sowie der Rest der Strecke verlief wie ein Schweizer Uhrwerk ohne
Probleme.
Dies ist ein Bericht mit Wegfall Namen und Wegfall Bildern.
M.L.
06. Juni 2011
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