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Mit dem W123 auf der Route 66 in L.A.
 
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Mit dem W123 auf der Route 66 in L.A. ...
 
...auf den Spuren der Häuptlinge und Piraten
 

Vorwort

 

„Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an...“ sang die deutsche Country-Band TRUCK-STOP 1980. Heute, über 30 Jahre später hat eine kleine Gruppe vom Bremer Stammtisch sich auf die Reise gemacht, diese Road an einem Wochenende mit den eigenen Fahrzeugen in Richtung Westen zu befahren.
In den unentdeckten, unberührten Westen, auf der Route 66 in L.A.
Wer jetzt meint: „Die spinnen, die Bremer“, irrt sich gewaltig und wird auf den nächsten Zeilen eines Besseren belehrt.

 

Ostfriesland. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2011.

Dies sind die Abenteuer vom Bremer Stammtisch des Mercedes-Benz W123-Clubs, das mit seiner 13 Mann (incl. Frauen) starken Besatzung ein Wochenende lang unterwegs ist, um neue Welten, neues Leben und neue Zivilisationen zu erforschen.

Viele Lichtjahre von Bremen entfernt, dringen die Sternfahrer in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Es ringen sich ja die tollsten Geschichten und Witze über die Bevölkerung am Rande von Deutschland. Einige meinen die Zeit, wäre hier stehen geblieben.
Andere sehen hier die Zukunft in der Energiegewinnung.

An einem schönen Freitag machten wir uns mit sechs W123ern auf ins Abenteuer. Wir trafen uns in aller Früh in Oyten und befuhren einen kleinen Teil der Ausfahrt vom Jahrestreffen 2008 in Bremen. Es ging über Worpswede, Teufelsmoor, Hambergen und Hagen nach Sandstedt. Dort nahmen wir die Fähre ins neue Land. Auf der alten B200 weiter nach Stadland. Am Busen der Natur (Jadebusen) durchführen wir die Landschaft weiter in Richtung Westen. Kurz hinter Bockhorn wurde der Weg von einem Urwald gesäumt. In diesem Urwald stehen 600 Jahre alte Eichen und Buchen auf ca. 48,5 Hektar, die keinem Forstdienst unterliegen. Umgestürzte Bäume bilden die skurrilsten Gebilde.

Jetzt erst einmal eine kleine Stärkung im Urwaldhof. Einem kleinen alten umgebauten Bauernhäuschen, wo Speiß und Trank dem Wanderer heiß und süffig aufgetischt werden.

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Frisch gestärkt fuhren wir weiter nach Westen und landeten plötzlich in Rußland. Ja, wirklich Rußland. Waren wir etwa vom Kurs abgekommen? Spinnen vielleicht unsere Instrumente? Da war also dieses Phänomen. Wir hatten das Raum-Zeit-Kontinuum durchbrochen, ohne etwas davon mitbekommen zu haben. Also sind wir weiter durch die 30er Zone nach Osten, zweimal links und zehn Minuten später waren wir in Amerika.

Geht doch! Ein neuer Rekord: Rußland – Amerika – in 10 Minuten!

Auch hier hat der Zeitraum der Ostfriesen seine Eigenart.

Danach tat sich eine wichtige Fragen auf: „Warum unsere Stammtisch-Kollegen so lange nach Shanghai gebraucht hatten?“ Es wird nie beantwortet werden können.
Von dieser Tatsache bestärkt, fuhren wir weiter nach Westen, um unser Hotel in der Hauptstadt der Ostfriesen zu beziehen.

Vor dem Hotel begann die Route 66, die wir am nächsten Tag befahren wollten.

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Nach einem leckeren Abendessen, gesellte sich unser Scout Kalle Altmann zu uns, der uns am nächsten Tag auf den Spuren der Häuptlinge und Piraten auf der Route 66 in L.A. führen sollte. Ein kauziger Typ mit grauem Zopf, der die Sprache der Eingeboren fliesend beherrscht.

Nach einem ausgiebigen Frühstück sammelten wir uns vor dem Hotel in Reih und Glied. Zu uns gesellten sich dann noch ein weiteres Team von 123ern mit dem transkontinentalen T-Modell. Als Einheit folgten wir unserem Tour-Scout auf die Route 66 in Kolonne. Über schmale Wege und Strassen durch die Landschaften, war die erste Station der Upstalsboom.

Der Upstalsboom ist die mittelalterliche Thingstätte der friesischen Stämme bei Rahe nahe Aurich. Mit „Eyala Frya Fresena“ (Steht auf ihr freien Friesen) und „Lever dood as Slaav“ (Lieber tot als Sklave) begrüßten sich die freien Friesen zu Pfingsten an ihrem Ort der Versammlung und Rechtsprechung.

Dann machten wir uns auf ins Brookmerland nach Fehnhusen, wo das Tom Brook Haus steht. Tom Brook, ein ostfriesischer Häuptling, der von der Zusammenarbeit mit den Piraten profitierte. Um wieder auf den rechten Pfad zu fahren ging es nach Marienhafe zum Störtebeker Turm. Damals konnten die Schiffe mit geringem Tiefgang bis zur Kirche gelangen. Deshalb nutzte Störtebeker und seine Likedeeler (Gleichteiler) die Kirche als Unterschlupf.

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Noch ganz aufgebracht von diesen Piratengeschichten fahren wir weiter über Greetsiel, mit seinen Zwillings-Mühlen, nach Pilsum. Dort,wo der berühmte Leuchtturm von „Otto“ steht. Otto Waalkes hatte hier seinen ersten ostfriesischen Film gedreht und ein „Denkmal“ „gesetzt“ (...stand aber schon). Trotz steifer Brise bestiegen wir den Deich und trugen die Erkundung im Logbuch ein.

Durchgepustet vom Wind, machten wir uns nach Groothusen zur Osterburg auf.

Die Osterburg ist die einzige von drei Wasserburgen, die erhalten geblieben ist. Ihr ältester Abschnitt ist ein langer, zweigeschossiger Saalbau aus der Zeit um 1490. Auch heute noch wird vom Eigentümer, Herrn Kempf, persönlich eine Führung der besonderen Art geführt, die die Zeit der Vergangenheit und der Ahnen gerecht wird.

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Erfasst von Vergangenheit und lebendiger Gegenwart, fahren wir zum Mittagessen nach Rysum, zum Landhaus HC Rysumer Plaats. Dieses Bauernhaus wurde 1750, neben der Kirche und Mühle auf einer Warft erbaut und steht unter Denkmalschutz. Bei „Skantjes“ (hiesiger Plattfisch) und nicht ostfriesischen Gerichten finden weitere Gespräche statt. Nach dem Mittagessen wird noch ein kleiner Spaziergang zur Rysumer Kirche gemacht. In der Kirche befindet sich eine der ältesten spielbaren Orgeln in Nordeuropa. Erbaut 1457. Nicht nur optisch ist die Orgel ein Highlight.
Wir kamen auch in den Genuss, die ausdrucksstarken Töne der Jahrhunderte, in einer wundervollen Melodie zu hören. Gänsehaut ist garantiert.

Weiter auf dem Rysumer Nacken, stehen einige der größten Windkraftanlagen der Welt. Bei einer Nabenhöhe von 135 m und einem Rotordurchmesser von 126 m wird eine Leistung von 6000-7500 kW erreicht. Die Route führt dann zum Emder Hafen, wo an der Emsmündung die modernsten Windräder der Welt hergestellt werden.

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Wir fahren an der Ems entlang,nach Leer und seinem schönen Hafen, dann geht es weiter nach Amdorf. Leider war die schmalste Autobrücke der Welt wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Die Brücke hat eine Länge von 50 Metern und die Fahrspur ist 1,85 Meter breit. Ein W123 ist, wie wir alle wissen, ca. 1,80 breit.

Also hieß es umdrehen und weiter auf unserer Tour nach Wiltshausen.

In der Landgaststätte zur Jümme-Fähre wird sich bei ostfriesischem Tee und Omas Apfelkuchen für die große Überfahrt gestärkt. Mit der Pünte, die älteste handgezogene Fähre Nordeuropas, geht es über die Jümme. Auf ihr haben drei Autos platz und zwei Fährmänner ziehen uns ans andere Ufer.

Über viele verschlungene Wege und kleine Klappbrücken geht es durch das flache Land. Grüne Weiden, kleine Gulfhäuser, alte Windmühlen und viele Gräben zeichnen die Küstenlandschaft aus. (Bild 18) Hier sieht man schon am Mittwoch, wer am Sonntag zum Tee erscheint. Unendliche Weiten und immer wieder Kühe, Kühe, Kühe.

Nach einem langen „Ritt“ sind wir wieder an unserem Hotel angekommen. Kurz frisch gemacht, geht es auch gleich zum Abendessen. Herzlich verabschieden wir uns von unserem Scout, Kalle Altmann, und sind dankbar für die schönen Stunden in Ostfriesland. Der Abend ist noch lang und lebendig von dem Erlebten.

Nach einem entspannten Frühstück macht sich die Reisegruppe nach Wrisse auf.
Im Oll Reef Huus angekommen, werden die gesammelten Werke der Familie Tjaden beguckt. Angefangen von Autokennzeichen der 70er bis zur Zinkwanne der 50er.
Ein gigantisches Sammelsurium von Gebrauchsgegenständen, nach bestimmten Themen sortiert, viele noch funktionsfähig und andere träumen davon, noch einmal benutzt zu werden.

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Zurück aus dieser Zeitspirale, fahren wir nach Süden in die Gemeinde Garrel bei Cloppenburg. Kurz dahinter befinden wir uns, wie durch ein Wunder, wieder in Amerika. Diesmal sieht es hier aber ganz anders aus. Kurze Rede, langer Unsinn! Wir machen uns dann doch lieber wieder auf den Weg in Richtung Heimat.

Bei Großenkneten, mitten in der Pampa, wird eine Sackgasse aufgesucht.
Die Deterstr. 10 a. Hier wohnten in den 80ern drei Musiker in einer WG. Sie wurden mit dem Musikstück „Dadada, ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“ unvergessen. Ein Stückchen weiter, ging es am Gasthof Kempermann vorbei, in dem die Gruppe Trio 1980 ihren ersten Auftritt hatten.

Nachdem die Kolonne durch die schöne Wildeshauser Geest gefahren war, verabschiedete man sich vor den Toren Bremens. Ach ja, wer es jetzt noch nicht erkannt hat. Das „L.A.“ in der Route 66 steht für „Landkreis Aurich“. Klar soweit?

Auf diesem Weg möchte ich mich bei den Teilnehmern bedanken. Ohne sie wäre die Tour nur halb so schön gewesen. Vielen Dank auch an das Hotel „Köhlers Forsthaus“ in Aurich und unseren Tourguide Kalle Altmann von Windlooper.
Außerdem möchten sich die 123er für die Unterstützung vom Club an dieser Tour durch den Stammtischzuschuss bedanken.

Der Liter Super: 1,46 €! Tourguide: 240,- €. Das Erlebte: Unbezahlbar.

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Text: Uta Meiertöns-Lacher & Mark Lacher
Fotos: Jens Frommann, Hans-Otto Lübke, Hermann Wiegmann, Günter Pein & Mark Lacher
Bildbearbeitung: Jens Frommann
31. Juli 2011